Rezension: Der Portwein-Erbe- Paul Grote

Folgendes muss man dem Kriminalautor Paul Grote wirklich bescheinigen, seine Krimis sind von der Thematik her hervorragend recherchiert und das Wissen ist perfekt in die spannende Handlung eingebaut. Im Buch der „Portwein-Erbe“ führt uns der Autor so wie der Titel es schon anzeigt, in die Region  wo  Portwein  gemacht wird, nämlich nach Portugal und  dort an die Hänge des Rio Douro.

Nicolas Hollmann, Sohn eines großen Frankfurter Bauunternehmers, er selbst hat seinem Vater bereits signalisiert, dass er nicht interessiert ist in das korrupte Baugeschäft einzusteigen, sondern er möchte als junger Architekt  neue Wege gehen, wird  von einem Berliner Anwalt zu einer Unterredung gebeten. Dieser eröffnet ihm, dass sein Onkel verstorben ist und er in dessen Testament als Erbe eingesetzt wurde. Dies ist für den jungen Architekten besonders erstaunlich, da er seinen Onkel, der selbst auf die Mitarbeit in dem Familienunternehmen verzichtet hat, kaum gekannt hat. Lediglich als junger Student hat er ihn einmal auf seinem Weingut am Douro besucht, als er  bei einer Portugalreise sich die bedeutendsten Baudenkmäler des Landes angeschaut hat.

Beim Besuch des besagten Anwaltes eröffnet dieser ihm, dass sein Onkel ihn zum  Haupterben des Weingutes eingesetzt hat. Weiterhin empfiehlt ihm der Anwalt,  Nicolas Hollmann möge sich  auf den Weg nach Porto, der Stadt, die an der Mündung des Duoro liegt, aufmachen, um bei einem Korrespondenzanwalt die genauen  Bedingungen der Erbübernahme erklärt zu bekommen.

Nach vielen Zweifeln und der immer wiederkehrenden Frage, wie sein Onkel das Weingut  mit der Maßgabe dieses doch weiterzuführen, obwohl er sich weder  beim Wein noch dessen Herstellung im Geringsten auskennt, ihn zu dieser Herausforderung ausgewählt hat, macht sich Hollmann auf den Weg ins ungewisse Abenteuer. Es soll das aufregendste und gefährlichste Unternehmen werden, das der junge Idealist  bisher erlebt hat…

Wer diesen Kriminalroman liest, weiß nicht nur wie diffizil die Herstellung eines exzellenten Portweines ist, weiß nicht nur welche gravierenden Unterschiede zwischen einem guten Port und Fusel  ist, weiß nicht nur um die Geschichte des Portweines, die maßgeblich auch mit den Engländern zu tun hat, sondern er weiß auch, wie  imposant und einprägend die herrliche Landschaft an diesem beeindruckenden Fluss im Norden Portugals ist. Natürlich ist das ganze Wissen kriminalromantechnisch  heißgekocht wie immer bei Paul Grote. Das Cuvee von kriminellen Handlungen und Wissenswertem  ist wie immer gelungen.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Der Champagner-Fonds: Kriminalroman (Taschenbuch)

Paul Grote, der 15 Jahre lang in Südamerika journalistisch tätig war und sich dabei auch mit Wein und seiner professionellen Herstellung beschäftigt hat, dokumentiert seine Liebe zu diesem Jahrtausende alten Kulturgut, indem er sein Wissen in die moderne Form des Kriminalromans einfließen lässt.

Das vorliegende Buch führt uns in die Welt des vermeintlich exklusivsten Getränks, das aus Wein erzeugt werden kann, dem Champagner. Dabei gerät Philipp Achenbach, ein Mensch mit ausgeprägter Schnüffelnase,- beruflich durchstreift er die französischen Weinanbaugebiete immer auf der Suche nach exzellenten Weinen-, als Chefverkoster eines Kölner Weinimporteurs in die Fänge geldgieriger Finanzjongleure...

Um zu ergründen, ob die Beteiligung seines Chefs an einem von einem Londoner Investment-Banker gegründeten Champagner-Fonds, eine sichere Geschäftserweiterung ist, begibt sich Achenbach auf die Reise in die Champagne, ein Terrain auf dem er sich auskennt. Bei früheren Besuchen von Geschäftsfreunden, - Winzer, die individuelle, hochwertige Champagner kreieren -, hat er sich intensiv mit der Herstellung dieses Getränkes befasst.

Sein Besuch gilt in erster Linie jedoch dem "Cave", wo der Fonds den Champagner eingelagert hat, der mit den Einlagen der Fondsmitglieder, eingekauft wurde. Nach den Beteuerungen der Hochglanzbroschüren handelt es sich dabei ausschließlich um die edelsten Champagner, die die Champagne hervorgebracht hat.

Achenbach, von seinem Charakter her eher skeptisch, will sich Gewissheit verschaffen. Schon bei seinem ersten Besuch auf dem Chateau begegnet ihm Merkwürdiges. Er will der Sache auf den Grund gehen und erlebt dabei alles, wozu Menschen fähig sind, deren Intension allein auf die Gier ausgerichtet ist...

Paul Grote zeigt in seinem Kriminalroman, dass er nicht nur ein profunder Kenner des Wein- und Champagner- Metiers ist, sondern vielmehr benennt er auch alles Besuchenswerte, was die Champagne an exzellenten Restaurants sowie Hotels und an hervorragenden Weinlagen zu bieten hat.

Die Charakterisierung seiner handelnden Personen übermittelt dem Leser, dass der Autor seinen wachen Verstand dazu benutzt, um die Denkmuster dieser Akteure zu analysieren. Dabei fehlt es nicht an der nötigen Spannung, die ein gut konzipierter Kriminalroman erzeugen muss. Kriminelle Handlung und Wissenswertes um den Champagner bilden die gelungene Mischung, die den Leser in seinen Bann zieht.

Empfehlenswert nicht nur für Champagnerliebhaber.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.



Rezension: Allmen und der rosa Diamant- Martin Suter

Weil Martin Suters neuer Roman sehr kurzweilig und spannend aufgebaut ist und sich sehr süffig liest, habe ich ihn gestern bis in die späte Nacht hinein in einem Zug verschlungen.

Für mich stellt sich die Frage nicht, ob Suter mit seinem neuen Roman einen Krimi geschrieben hat, weil ich nicht zwingend alles verschubladen muss und es nach meiner Ansicht bei einem Protagonisten wie Friedrich von Allmen auch nicht angebracht ist, ihn irgendwo "reinzupacken". Von Allmen ist eine literarische Figur mit vielen Facetten. In erster Linie ist er ein feingeistiger Lebemann, der ständig in Geldnöten ist und sich immer überlegen muss, wie er sein aufwendiges Leben ohne sich groß abzumühen, finanziert. Seinen Butler Carlos hat er, wie bereits im ersten Buch, noch immer an seiner Seite. Mit ihm gemeinsam betreibt er eine international positionierte Firma "Allmen International Inquiries", die sich mit der Beschaffung verschwundener Wertgegenstände befasst. Sein Slogan im Internet lautet: "The Art of Tracing Art". Wer allerdings von Allmen als Detektiv bezeichnet, springt zu kurz.

Von Allmen erhält den Auftrag einen 45 Millionen schweren rosa Diamanten aufzuspüren, der von der Hand einer Milliardärin gestohlen worden ist. Er und sein Buttler entscheiden sich den Auftrag anzunehmen, wohl wissend, dass sie sich in eine Welt begeben, in der andere Größenordnungen herrschen. "Leute, die fünfundvierzig Millionen für einen Fingerring ausgeben wollen und können, sind zu allem fähig. Und Leute, die Fingerringe für fünfundvierzig Millionen klauen wollen und können, erst recht, "(vgl. S.19).

Ich möchte an dieser Stelle die Handlung nicht nacherzählen, in der ein russischer IT-Spezialist eine nicht unwichtige Rolle spielt und in Heiligendamm im dortigen Nobelhotel ein Mord geschieht. Suter beschreibt das Umfeld, in dem sich von Allmen bewegt ganz hervorragend. Es macht Freunde mit von Allmen gedanklich auf Reisen zu gehen, weil er zu genießen versteht, gerne delikat speist, feine Weine zu schätzen und sich in dem Ambiente, das er bevorzugt, auch wirklich zu bewegen weiß. Der russische IT-Spezialist hat hier noch Nachholbedarf, den er leider letztlich nicht sättigen kann. Das Schicksal meint es nicht gut mit ihm....

Männer wie von Allmen finden stets einen Weg erneut zu Geld zu kommen, weil sie ihren Wert kennen und einzusetzen wissen, wenn auch nicht immer auf ganz legale Art. Ich finde nicht, dass Suter von seinen Lesern zu viel erwartet als er sie plötzlich nach anfänglicher Kurzweil in Heiligendamm mit jähem Ende plötzlich mit Hochfrequenzhandel konfrontiert. Man muss wissen, wo die Voraussetzungen geschaffen werden, um sich rosa Diamanten im Wert von 45 Millionen kaufen zu können, wo die Welt angesiedelt ist, in der die Fäden der Macht zusammenlaufen...doch man muss auch andere Dinge wissen, so beispielsweise wie man einen farbschöne "Guacamole" zubereitet. Wie das funktioniert erfährt man auf Seite 212.

Kurzum, ein Lebemann muss in allen Sätteln reiten können. Friedrich von Allmen kann es.... und wenn er mitunter nicht ganz sattelfest ist, ist ihm sein Buttler Carlos eine hilfreiche Stütze. Was kann da noch schief gehen? Eigentlich doch nichts.:-))

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon.

Rezension:Auf Treu und Glauben: Commissario Brunettis neunzehnter Fall (Gebundene Ausgabe)

 In Donna Leons neunzehntem Fall "Auf Treu und Glauben" skizziert die beliebte Kriminalautorin ihren Schauplatz, das spektakuläre Venedig zu einem Zeitpunkt, zu dem die Stadt überfüllt ist von tausend und abertausend Touristen, die Venezianer jedoch schon lange geflüchtet sind. Es ist die Zeit des Hochsommers, der Hitze und der Ferien.

Auch Commissario Brunetti freut sich schon auf einen erholsamen Urlaub mit seinen Lieben. Ziel sind die kühlen Berge von Südtirol. Bevor er sich jedoch von seinen Mitarbeitern verabschiedet, fällt ihm auf, dass sein treuer Vianello, sein stets hilfreicher Mitarbeiter, von einem großen Problem geplagt wird. Nach intensivem Insistieren vertraut Vianello ihm an, dass dessen Tante im Begriff ist das hart erarbeitete Vermögen zu verschleudern.

Der Commissario und seine Familie sitzen im Zug nach Bozen als ein Anruf von seiner Kollegin aus Venedig ihn auf dem Telefonino erreicht. Ein Toter wurde am frühen Morgen im Hof eines Palazzo gefunden. Da die diensthabende Polizistin sich die Aufklärung dieses Verbrechens nicht alleine zutraut, entscheidet sich Brunetti sofort nach Venedig zurückzukehren und seine Familie für einige Tage an den Urlaubsort vorauszuschicken.

Bei der Aufklärung des Verbrechens führt uns die Autorin einmal wieder die speziellen Verhältnisse vor, die in Venedig herrschen. Anschaulich beschreibt sie gesellschaftliche Milieustudien, Abhängigkeiten in Ämtern und Behörden und menschliche Abgründe.

Wie immer schafft es Brunetti die Hintergründe der Geschehnisse aufzuklären und wie immer bleibt bei ihm jedoch eine gewisse Ratlosigkeit zurück. Erst als er nach einigen Tagen seiner Familie ins Feriendomizil nachfolgen kann, um mit seiner geliebten Frau die Geschehnisse noch einmal Revue passieren zu lassen, kehrt auch bei ihm die innere Ruhe ein, die er sich so von seinen Ferien versprochen hat.

Eine ideale Lektüre für heiße Tage.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen

Rezension: Schwarze Diamanten - Martin Walker


Im dritten Roman von Martin Walker "Schwarze Diamanten" wird Bruno Courréges, Chef de Police mit vielfältigen kriminellen Machenschaften konfrontiert. All diese drehen sich um das schwarze Gold des Perigord. Dies sind die berühmten Trüffeln, welche die gesegnete Erde dieses südfranzösischen Departements adeln.

Bruno wird von seinem Freund, der als der größte Trüffelexperte der Region gilt, gebeten, Recherchen aufzunehmen, da immer häufiger Klagen von Pariser Trüffelaufkäufern vorgetragen werden, dass sich in den Warenpaketen aus dem Perigord chinesische Billigtrüffel befinden.

Kaum hat sich Bruno mit den Gepflogenheiten auf dem Trüffelmarkt beschäftigt, wird sein Freund bei der Jagd auf grausige Art und Weise ermordet. Schnell wird Brunot klar, dass dies nicht alleine auf Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von den Trüffeln zurückzuführen ist.

Im Hause seines Freundes muss er feststellen, dass dieser ein Vorleben geführt hat, dass alles andere als beschaulich war. Sein Leben stand in Verbindung mit dem französischen Indochina-Krieg und dem Aufstand in Algerien.

Als auf den Märkten der Region immer wieder vietnamesische Händler von chinesischen Banden angegriffen werden, begreift der Chef de Police, dass alle diese Verbrechen in einem Zusammenhang stehen müssen und dass alle Vorgänge eine Dimension erreicht haben, für deren Aufklärung er alleine nicht in der Lage ist...

Der Autor zeigt im vorliegenden Roman wie sehr die französische Kolonialzeit noch bis heute in die aktuellen Geschehnisse ins französische Mutterland hineinreichen. Die wunderbaren Menschen und Landschaften des Perigord, die man in diesem Roman kennenlernt, lässt verstehen, weshalb es so viele Nichtfranzosen dorthin verschlägt, um das "Savoir vivre" zu genießen.

Mittelpunkt von allem ist die schwarze Trüffel, die die wunderbaren Mahlzeiten der regionalen Küche vervollkommnen.

Erneut hat Martin Walker einen spannenden Krimi vorgelegt, den ich gerne empfehle.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie nach Amazon und können das Produkt bestellen.

Rezension: Martin Suter: Allmen und die Libellen

Hätte ich nach der Lektüre des Buches nicht doch noch die Rückseite des Buchumschlags gelesen, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, einen Krimi verschlungen zu haben. Ich nahm Suters "Allmen und die Libellen" nämlich zunächst als hinreissend geschriebenen Schelmenroman wahr und freue mich nun auf weitere Folgen dieses "Serienkrimis", bei dem zu hoffen bleibt, dass der Protagonist seine amüsanten Allüren beibehält und auf keinen Fall unter das in diesem Buch angezeigte Niveau rutscht.

Der in der Schweiz geborene Protagonist Hans Fritz Vonallmen hat sich in jungen Jahren bereits entschieden, seinem Namen den "bäuerischen Geruch" zu nehmen und ihn im Laufe der Zeit in "Johann Friedrich v. Allmen" zu veredeln.

John, wie er sich von seinen Freunden nennen lässt, ist Sohn eines zu Reichtum gekommenen Schweizer Bauern, der über viel Geschäftssinn verfügte, dem es jedoch an Bildung mangelte, die er alsdann wohlwollend seinem Spross zukommen lassen möchte. Dieser beginnt nach der Schulzeit sein kurzweiliges Leben als Langzeitstudent.

Allmen ist nicht faul, sondern vielseitig interessiert, spricht Schweizerdeutsch, akzentfrei Französisch, Italienisch, Englisch, Portugiesisch, kann sich in Russisch und Schwedisch unterhalten und vermag in lupenreinem Bühnendeutsch kurzweilig zu parlieren.

Während seiner Studienzeit reist er, finanziert von seinem Vater, durch die Welt, hält sich- einem Aristokraten angemessen - in den interessantesten Hauptstädten auf unserer Erde auf und übt sich auf besagte Weise in Weltgewandtheit. Um diese sich in allen Belangen des Lebens anzueignen, muss er natürlich investieren. Das Leben in der Upper-Class lässt besonders in Großstädten wie Paris und London keine finanzielle Kurzatmigkeit zu.

John verfügt über reichliche pekuniäre Mittel, besonders in den ersten Jahren nach dem Tode seines Vaters. Er besitzt eine Zeitlang eine Villa, lebt in exquisiten Nobelhotels, ist großzügig gegenüber allen, schätzt Kunst und Antiquitäten, für die er ein Vermögen ausgibt, hat aber keinen finanziellen Überblick und so schmilzt das Millionenerbe seines Vaters allmählich dahin. Dies hindert John nicht daran, seinen Lebensstil fortzusetzen und dabei sehr bauernschlau seine Schulden zu managen.

Gemeinsam mit seinem aus Guatemala stammenden Butler Carlos, der zwischenzeitlich Mädchen für alles geworden ist, findet Allmen einen Weg, der verspricht, sein "Dolce Vita" entspannt weiterführen zu können....

Wie es dazu kommt, erfährt man im Plot, den ich, um die Spannung nicht zu mindern, natürlich nicht erzählen werde.....

Die Liebe zur Kunst spielt eine Rolle in diesem Roman. Dabei gelingt es dem Autor aufzuzeigen, wie besessen kunstbeseelte Menschen beim Erwerb liebgewonnener Exponate vorgehen können, wenn sie von starkem Habendenken getrieben sind. Die "Gallé-Schalen" mit den Libellenmotiven, um die es im Handlungsablauf geht, wurden übrigens am 27.10.2004 bei einem Einbruch im Chateau Gingins tatsächlich aus einer Ausstellung gestohlen, kann man einer Anmerkung des Autors zum Ende des Buches entnehmen.

Suter lässt erkennen, dass er sich gut auskennt im Bereich delikater Speisen und teuerer Weine und dass er dem "Savoir Vivre" in seiner Buntheit alles anders als schmallippig, sondern vielmehr augenzwinkend gegenüber steht. Das zeigt nämlich der Schluss des Romans. Suter gönnt seinem Protagonisten eine Fortsetzung.

Der Plot selbst ist spannend aufgebaut. An keiner Stelle wirkt der Protagonist überzeichnet. Er spielt keine Rolle, sondern ist so, wie er vom Autor dargestellt wird, ist also ein Genussmensch, der den Augenblick voll auskostet und letztlich über genügend Selbstvertrauen verfügt, seiner Zukunft hoffnungsfroh entgegen zu blicken. Grund dazu hat er auf jeden Fall, den "Johann Friedrich v. Allmen" ist eine Kopfgeburt Martin Suters, der ihm gewiss auch zukünftig den Rahmen zubilligt, der ihm zwar nicht durch Geburt, aber qua Chuzpe zusteht.

Empfehlenswert.



Bitte klicken Sie auf den Button untern, dann gelangen Sie zu Amazon und können dort das Buch bestellen.




Rezension: Der Tote im Zwillbrocker Venn


Tuna von Blumenstein, eine jung gebliebene ältere Dame aus dem Münsterland, hat sich entschlossen, einen Krimi zu schreiben.

Der Grund hierfür ist ihre Liebe zum "Zwillbrocker Venn", einem Naturschutzgebiet im Kreis Borken, das einst ein Hochmoor war. Hochmoore sind die ideale Kulisse für Texte dieses Genres und erzeugen per se Gruseleffekte.

Im "Zwillbrocker Venn", das die nördlichste Flamingokolonie der Welt beherbergt, gibt es u.a. eine Allee mit bizarren hohlen Kopfeichen, auch einen Prozessionsweg, der dort eine alte Barockkirche umgibt und ein riesiges Holzkreuz, das auf dem Buchdeckel des Krimis abgelichtet ist. Das Kreuz soll ein magischer Anziehungspunkt im Venn sein und erinnert mich in gewisser Weise an Droste von Hülshoffs Judenbuche.

Wer hier einen Toten findet, ahnt, dass dieser Tote eher ein Täter als ein Opfer ist.

In welchem Zusammenhang steht die in Blut getauchte Natur auf dem Buchdeckel mit dem idyllischen Foto eines liebevoll dekorierten hölzernen Gartentores?

Welches Drama breitet die Autorin in ihrem dicht geschriebenen Krimi aus, der sich teilweise so schnörkellos wie ein Polizeibericht liest und von lyrischen Texten Sylvia Bs. begleitet wird?

Ich war es übrigens, die Tuna darum gebeten hat, Gedichte von Sylvia in ihren Krimi einzubinden, einerseits, weil ich diesen Mix für ein gelungenes Experiment halte, andererseits, um die Bandbreite des Könnens von münsterländer Autoren aufzuzeigen. Kritiker mögen diese Vorgehensweise in Frage stellen, ich aber finde Arbeit im Team sehr gut, wenn es darum geht, eine Sache voranzubringen. In diesem Fall geht es darum, das Münsterland auch als Reiseziel interessant zu machen.


Nun zum Krimi: Ein Mann argentinischer Herkunft wird im Venn tot aufgefunden. Wurde er ermordet oder hat er sich selbst getötet?

Tuna hat ein interessantes Verwirrspiel inszeniert. Ihr Krimi beginnt mit einer Intrige. Dass sie nahe an der holländischen Grenze auch die Drogenproblematik nicht außen vor lässt, zeigt, dass sie die Region, die sie fokussiert, mit all ihren Facetten, auch den dunkleren, thematisiert.

Diebstahl, Rauschgiftdelikte, Kindesmord und Mord bestimmen den Handlungsablauf, in dem es immer wieder pychologische Reflektionsebenen gibt und Tuna sich der Schwarz-Weiß-Malerei bewusst enthält, wenn es um das Opfer- oder das Täterprofil geht: "Mein Eindruck ist der, dass der Verstorbene als Kind zeitweise unter Kalzium-Mangel-Rachits gelitten hatte, die durch einen Vitamin-D-Mangel verursacht wird. Die Fehlstellung der Zehen kann durchaus auf das Tragen nicht geeigneten Schuhwerkes zurückzuführen sein..." ( S. 55).

Zwei Frauen spielen im Krimi, neben dem verstorbenen Argentinier mit dubiosem Vorleben, eine entscheidende Rolle. In welchem Zusammenhang sie zu ihm standen, werde ich nicht verraten.

Es gibt Menschen, die, bevor sie ein Buch zu lesen beginnen, einen Blick auf die letzte Seite werfen. Tuna lässt ihren Krimi mit einem Gedicht enden. Die letzten beiden Verse lauten:

es wird der moment kommen
in dem ich spüre
da ist nichts mehr
weder liebe
noch hass
weder angst
noch kälte

wärme wird
meinen körper durchfluten
dann werde ich ruhig
und gefasst sein
und wissen
dass ich abschied
nehmen
kann.

Diese Zeilen sind der Schlüssel zu diesem Beziehungs-Krimi, der von einem Mann handelt, von dem man sich wünscht, er habe nie gelebt.

Sehr spannend zu lesen, empfehlenswert.

Das Bildmaterial wurde uns freundlicherweise von der Biologischen Station Zwillbrock zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns dafür herzlich.
Covergestaltung:
Satzstudio Roth, Emden



Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Der unsichtbare Dritte - SZ-Cinemathek (DVD)

"Der unsichtbare Dritte" ist ein Werk Alfred Hitchcocks, ein Gemisch aus Thriller und Komödie mit exzellent espritvollen Dialogen und viel Tempo.

Cary Grant (sein Synchronsprecher lässt zu wünschen übrig; die Stimme könnte sonorer sein, das ist aber für die Beurteilung des Films letztlich ohne Bedeutung) spielt den Werbefachmann Roger O. Thornhill, der ohne sein Zutun in die Fänge eines Spionagerings gerät. Man hält ihn irrtümlich für einen anderen und verfolgt ihn daraufhin mit aller Verbissenheit. Hitchcock lässt seinen Protagonisten in immer ausweglosere Situationen geraten. Dabei stellt die Flucht über das Präsidenten-Denkmal am Mont Rushmore den Höhepunkt des spannungsgeladenen Streifens dar.....

Grants Gegenspieler wird von James Mason gemimt. Die weibliche Hauptrolle spielt Eva Marie Saint, die optisch mit Grace Kelly Ähnlichkeiten aufweist, aber letztlich nicht an deren Format heranreicht. Es sind die leicht verbissenen Züge um die Mundpartie, die der Kühle die edle Ausstrahlung nehmen. Für die Filmrolle ist Eva Marie Saint allerdings die Idealbesetzung.

Sowohl den Aktion- als auch den Liebesszenen werden durch die betont ironischen Spracheinlagen und Grants unnachahmlicher Mimik jeglicher Ernst genommen, ohne dadurch der Lächerlichkeit anheim zu fallen. Dadurch ist es dem Zuschauer möglich, die einzelnen Szenen distanziert zu genießen. Der Szenenaufbau ist bewundernswert subtil konstruiert.

In diesem Streifen werden bewusst keine künstlichen Emotionen beim Betrachter hervorgerufen.

Der Zuschauer bekommt von Hitchcock die Rolle des Beobachters zugewiesen. Der Regisseur gestattet dem Zuschauer nicht, sich mit den Darstellern zu identifizieren.
Jeder hat seinen Platz. Das Zusammenspiel zwischen Regie, Drehbuch und schauspielerischem Können könnte nicht besser sein.

Die Bild- und Tonqualität sind zufrieden stellend.


Rezension:Der Marathon Mann (DVD)

"Der Marathon Mann" ist ein psychologisch ausgeklügelter Action -Film des Regisseurs John Schlesinger, der auf mich zunächst ein wenig verwirrend wirkte, weil die etwas verwickelten Handlungsstränge anfänglich bei mir einen chaotischen Eindruck hinterließen. Dieser Film ist subtil. Man muss ihn sich sehr aufmerksam anschauen, um ihn in all seinen Facetten zu begreifen.

Der Doktorand und Marathonläufer Thomas Babington Levy (Dustin Hoffmann) schreibt an einer Doktorarbeit, deren Schwerpunkt eine kritische Beleuchtung der McCarthy Ära ist. (Zum besseren Verständnis: McCarthy (1908- 1957) war ein amerikanischer Politiker und in den 1950er Jahren die treibende Kraft einer antikommunistischen Verfolgungswelle, die sich besonders gegen Regierungsangestellte, Künstler und Intellektuelle richtete.)

Levys Vater war Geschichtsprofessor und verübte zu Zeiten der McCarthy -Ära aufgrund seines Verfolgtwerdens Selbstmord. Offenbar konnte er den psychischen Druck, den die McCarthy-Leute auf ihn ausübten, nicht aushalten. Im Gegensatz zu seinem Bruder ist der Doktorand Levy ein Intellektueller. Er lebt bescheiden und ist ähnlich wie sein Vater der Wissenschaft verpflichtet. Der Ausgleich zu seinem geistigen Tun ist das Joggen.

Sein Bruder, von dem er annimmt, dass er mit Ölgeschäften zu Reichtum gekommen ist, arbeitet in Wahrheit für eine Organisation, die ihre Dienste jedem anbietet, der für die Dienstleitung gut bezahlt. Levys Bruder liebt ein luxuriöses Leben und ist bereit, dafür auch kriminell zu agieren. Die Organisation, für die er agiert, stellt ihre Dienste auch einem psychopathischen Arzt, der in der NS-Zeit in einem Konzentrationslager Leid und Tod über die Insassen brachte, zur Verfügung.

Dr. Szell lässt sich von Kurieren (Leuten der Organisation) Geld und seine Brillianten, die er einst Juden im Konzentrationslager entwendet hat, aus dem Ausland herbeischaffen und beginnt Levys Bruder zu verfolgen, von dem er annimmt, dass er an sein Vermögen will..... Levy gerät in einen Strudel von Ereignissen, die er erst zum Schluss begreifen wird. Der arglose junge Wissenschaftler muss sich u.a. der perfiden Foltermethoden dieses übrig gebliebenen Nazimonsters aussetzen und beginnt sich zu wehren...

Die pausenlos visualisierten Trainingsläufe für den Marathon lassen den Eindruck einer unendlicher Gehetztheit des Protagonisten entstehen und steigern die Spannung enorm. Schlesinger erinnert daran, dass die Grundmuster von Terror immer die gleichen sind, auch wenn die Auswirkungen verschieden sein mögen. Gottlob haben sie seit der NS-Zeit nicht mehr zu solch perversen Auswüchsen geführt. Die McCarthy Ära verdeutlicht wie schnell Intoleranz auch in demokratischen Ländern zu Verfolgung Andersdenkender führen kann. Ursache der Verfolgung von Andersdenkenden ist immer Intoleranz und mangelnde Liberalität. Schlesinger dokumentiert dies.

Empfehlenswert.




Rezension: Der Besuch der alten Dame (DVD)

Die Multimillionärin Claire Zachanassian (Christiane Hörbiger) besucht nach 40 Jahren ihren Heimatort, die Kleinstadt Gülle. In den USA wurde sie steinreich. In Gülle war sie einst ein unbegütertes Mädchen, dem man übel mitspielte.

Vor Ort geht der Pleitegeier um, weil der größte Arbeitgeber und Steuerzahler in Gülle seinen Betrieb geschlossen hat. Der Bürgermeister erhofft sich eine kräftige Finanzspritze seitens Claire. Um diese zur Spendenfreudigkeit zu bewegen, bittet er und der Gemeinderat den Autohausbesitzer Allfred Ill (Michael Mendl), -den ehemaligen Verlobten von Claire-, auf diese einzureden. Zunächst windet sich Ill, sagt dann aber schließlich doch zu.

Im Vieraugengespräch mit ihr erfährt der Ex-Verlobte die Konditionen für die finanzielle Zuwendung. Claire lässt ihn nicht im Ungewissen, dass sie der Stadt zwei Milliarden Franken zahlt, wenn er sterben wird. Diese Bedingung wiederholt sie im Stadtrat und erklärt, dass das Geld anteilig pro Kopf an jeden Mitbürger ausgezahlt werden soll. Anfänglich sind die Bürger empört über das unmoralische Angebot. Doch die Gier beginnt schnell zu wachsen. Man plant bereits gedanklich mit dem Geld. Als deutlich wird, dass Ill seine einstige Verlobte 40 Jahre zuvor verraten und im Stich gelassen hat, haben die Bürger einen Exkulpationsgrund für ihre unmoralischen Erwägungen, die in Wahrheit einzig auf Habsucht beruhen. Ill hatte mit seiner schwangeren Verlobten damals einen Verkehrsunfall, bei dem diese schwer verletzt wurde und als Spätfolge ihr Kind verlor.

Als klar wurde, dass Claire ein Invalide bleiben würde, stritt Ill die Vaterschaft ab und sagte gemeinsam mit zwei Freunden aus, dass Claire mit allen drei Männern Sex hatte. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gentest gab, musste Ill für das Kind nicht aufkommen. Claire war nun als Flittchen verschrien und verließ die Kleinstadt, um in den USA ihr Glück zu versuchen. Nach einer Fehlgeburt heiratete sie in den USA einen steinreichen alten Mann, dessen Vermögen sie erbte. Trotz des materiellen Erfolges konnte sie Ill nicht vergeben, zumal sie ahnt, dass er der Verursacher des damaligen Verkehrsunfalls war, für den man sie veranwortlich gemacht hat. Sie will sich an Ill, aber auch an anderen Mitbürgern der Kleinstadt rächen, die ihr damals nicht zur Seite standen. Ill möchte sie vernichten und die bigotten Kleinstädter in ihrer Monstrosität entlarven...... Dies gelingt ihr bestens.

Kann man ihren Hass und ihren Wunsch nach Vergeltung nachvollziehen? Im gewissen Sinne schon, aber man weiß, dass Hass kein guter Berater ist, denn er lässt den Akteur in der Regel verbittern. Auch Claire kehrt als verbitterte Frau in die USA zurück.

Mir hat die filmische Darstellung von Dürrenmatts Stück gefallen, auch wenn der Drehbuchautor leichte Veränderungen vorgenommen hat.

Hörbiger und Mendl haben überzeugend gespielt.


Empfehlenswert.