Rezension Peter J. König:Grand Prix- Der neunte Fall für Bruno-Chef de police-Diogenes

"Grand Prix" heißt Brunos neunter Fall, der aus der Feder des bekannten Krimi-Autors Martin Walker stammt, einem Schriftsteller, Historiker und politischen Journalisten, der als Schotte seine mittlerweile berühmten Kriminal-Romane im Périgord angesiedelt hat, eine der urfranzösischen Regionen östlich von Bordeaux gelegen. 

Das Périgord ist seit vielen Jahren Walkers zweite Heimat geworden und seine Liebe zu Land und Leuten lebt er öffentlich aus, nicht zuletzt durch seine Bruno- Romane. Bruno, seines Zeichens "chef de police" in der kleinen, pittoresken Gemeinde St. Denis, verkörpert den omnipotenten "flic", der sehr einfühlsam und weitsichtig für die Einwohner seines Ortes alles gibt, natürlich um sie zu schützen, aber auch um so manche Verfehlung mit viel Geschick unbürokratisch und ohne größere Folgen aus der Welt zu schaffen. 

Mit diesem Engagement hat er die Herzen der Menschen in St.Denis für sich nachhaltig gewinnen können, sie vertrauen ihm, er ist ein tragender Teil ihrer Gemeinschaft geworden. Auch als "Single" zeigt sein Charme immer wieder Wirkung bei der "holden Weiblichkeit" des Ortes. Die Damen, ob jung oder bereits gereift, signalisieren durchaus Interesse an dem gestandenen Polizisten, der in seinen jüngeren Jahren sich die Hörner in der Fremdenlegion abgestoßen hat, bevor er in St. Denis zum "chef de police" avancierte. 

Hier im Périgord im kulinarischen Herzen Frankreichs mit seinen liebenswerten Menschen hat er seine berufliche Erfüllung gefunden. Als Polizist ist er gleichsam Respektsperson, ebenso auch Freund, der sich um die vielfältigen Belange in der Gemeinde mit ganzem Herzen und nimmermüden Engagement kümmert. So hat er sich auch dem neuesten Projekt in Sachen Öffentlichkeits-Arbeit von St. Denis verschrieben, einer Oldtimer-Rallye, die den Ort überregional bekannt machen soll, um neue Besucher anzulocken. 

Unter den Teilnehmern der Rallye befinden sich zwei junge Sammler, deren Interesse weit über die Freude am Rallye-Sport hinausgeht. Sie sind auf der Suche nach dem legendären Bugatti Type 57 SC Atlantic, einem der schönsten und teuersten Sammlerobjekte der Automobil-Geschichte. Insgesamt wurden nur vier Modelle davon gebaut, wobei bei dreien der Verbleib bekannt ist. 37 Millionen Dollar wurde zuletzt von einem kalifornischen Museum bezahlt, als sich die Möglichkeit ergab dieses Ausnahme-Exemplar von Bugatti zu erwerben. Ein zweiter Bugatti Atlantic hat der Designer und Modemacher Ralph Lauren ersteigert, das dritte Fahrzeug wurde bei einer Kollision mit einem Zug komplett vernichtet und der vierte Wagen verschwand spurlos, als die Franzosen unmittelbar vor der deutschen Besatzung die Maschinen und den Fuhrpark von Bugatti aus dem Elsass nach Bordeaux auslagerten. 

Der Legende nach soll diese automobile Pretiose auf dem Weg durch das Périgord auf einem Schloss in der Nähe von St. Denis das letzte Mal gesichtet worden sein. Da ist es doch kein Zufall, dass zwei bekannte Händler und Sammler von Oldtimer bei der Rallye in St. Denis auftauchen? Und was hat dies mit dem plötzlichen Tod eines ortsansässigen Historikers zu tun, der sich bestens mit der regionalen Geschichte während der Kriegszeit des Zweiten Weltkriegs auskennt?

Diese Fragen und viele weitere beantwortet "Der neunte Fall für Bruno". Auch jetzt ist es Martin Walker wieder bestens gelungen, Authentisches mit Spannendem zu mixen. Authentisch sind die Beschreibungen der malerischen Landschaft im Périgord, seiner Menschen, und wie kann es bei Walker anders sein, die ausschweifenden Erläuterungen des großartigen, reichhaltigen Angebots der kulinarischen Möglichkeiten hier im Garten Eden Frankreichs. Spannend wie immer ist es auch Monsieur Bruno, Chef de Police bei seiner kriminalistischen Arbeit über die Schulter zu sehen, um immer wieder die Verderbtheit dieser Menschen zu erleben, die aus lauter Gier vor nichts zurückschrecken. 

Da wundert es auch nicht, dass selbst der Geheimdienst und die europäische Polizeibehörde an der Aufklärung beteiligt sind, werden doch Geldwäsche, terroristische Aktivitäten und Betrug größten Ausmaßes vermutet. Wie immer behält Bruno den Überblick, wie immer ist es auch nicht nur sein geliebter Basset, der mit ihm allein die Abende verbringt. Dafür sind wir in Frankreich, im Périgord, dort wo das positive Lebensgefühl noch allererste Priorität genießt. Martin Walker hat es verinnerlicht und er geizt nicht damit, es durch seine Krimis den Lesern zu vermitteln. 

Sehr empfehlenswert

Peter J. König

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