Rezension: #Der_Mittagstisch –#Ingrid_Noll - Diogenes

Die Krimiautorin Ingrid Noll wird Ende September 80 Jahre alt. Geboren wurde sie am 29.9. 1935 in Shanghai und studierte in Bonn Germanistik sowie Kunstgeschichte. 

All ihre Krimis wurden zu Bestsellern und das liegt wohl daran, dass sie eine besondere Begabung besitzt, die Realität mit viel Sarkasmus zu überzeichnen. 

Ihre Realität ist von schonungslosem Egoismus geprägt, der selbst vor Mord nicht zurück schreckt, aber bei aller Abgebrühtheit und sporadischer Kaltblütigkeit ihre Protagonisten als Opfer widriger Umstände darzustellen weiß, so auch in ihrem jüngsten Krimi. 

Nelly, eine Frau Mitte 30,  hat zwei Kinder, die sie allein erziehend ernähren muss, denn der Vater, ein ehemaliger GI und späterer Drogen-Dealer ist aus dem Leben der Studienabrecherin verschwunden. Ohne abgeschlossene Berufsausbildung sucht die Tochter aus nicht unbetuchtem Hause eine Möglichkeit, um ihre Familie über Wasser zu halten, weil sie zu stolz ist,  ihre verwitwete, reiselustige  Mutter um Hilfe zu bitten. 

Nelly erbt das Haus ihrer Großmutter an der Bergstraße und eröffnet dort ein illegales Restaurant. Zum Mittagstisch finden sich alsbald einige Gäste ein, die eine Art illustre Familie bilden, in der, wie in solchen Familien üblich,  schräge Spielchen mit nicht immer erfreulichem Ausgang stattfinden… 

Interessant sind die einzelnen Charakterbilder ihrer Romanfiguren. Es sind Helden des Alltags, die sich ihre eigene Moral zurechtgezimmert haben, um das tägliche Leben zu meistern, weil Bilderbuchbürgerlichkeit sich heutzutage offenbar nur noch schwer umsetzen lässt oder ist es am Ende das, was sich hinter der bilderbuchbürgerlichen Fassade zumeist verbirgt?

Empfehlenswert.

Helga König

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